Abschlussveranstaltung "ISETEC II"

Die Abschlussveranstaltung der Förderbekanntmachung „Innovative Seehafentechnologien II - ISETEC II“ wird am 4. und 5. Juni 2012 im Konferenzzentrum des BMWi in Berlin stattfinden. Im Mittelpunkt stehen die Ergebnispräsentationen der Förderprojekte.
Ansprechpartnerin:
Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailDaniela Wirtz

 

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Der Projektträger Mobilität und Verkehrstechnologien sucht 
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Interview mit Herrn Siegler

A. Siegler

Herr Siegler, was ist der Kern des Forschungsschwerpunktes "Transport (inklusive Luftfahrt)" im 7. Rahmenprogramm?
Planen Sie, das Verhältnis zwischen "Land- und Seeverkehr" und "Luftfahrt" in Bezug auf ihre Bedeutung und Finanzierung zu verändern?

Zunächst einmal zielt das Rahmenprogramm darauf ab, dass der Verkehr insgesamt "grüner" wird. Dies ist in der Tat eines der wesentlichen Ziele des Verkehrsprogramms – und betrifft die Frage der Umwelt-verträglichkeit und die Minderung der Umweltbelastungen. Ein weiteres überaus wichtiges Ziel ist die Verbesserung der Sicherheit (der Fahrgäste) und des Schutzes (der Fahrzeuge) im Rahmen des Verkehrs-systems. Dies impliziert unter anderem eine erhöhte Intelligenz sowohl der Fahrzeuge als auch der Infrastruktur – d.h. die Entwicklung "intelligenter" Verkehrssysteme. All dies lässt sich zusammenfassen unter dem Begriff Wettbewerbsfähigkeit – und der Erreichung nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit. Dies ist ein zentraler Punkt. Ich muss Ihnen nicht den überaus hohen Prozentsatz europäischer Arbeitnehmer vor Augen führen, die unmittelbar in Transport und Verkehr beschäftigt sind.

Und schließlich – und dies hat etwas mit der Vorstellung von Demokratie zu tun – soll das Programm auch für alle Bürgerinnen und Bürger den Zugang zu erschwinglichen, effizienten und bequemen Verkehrsmitteln verbessern.

Die gegenwärtige Form der EU-Forschungsfinanzierung in den Bereichen Land-, See- und Luftverkehr ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung. In beiden Bereichen wurde die Mittelzuweisung in den vergangenen Jahren erheblich aufgestockt. Die Luftverkehrsforschung ist ein besonders komplexer Bereich, denn sie impliziert weitaus mehr als nur Forschung im klassischen Sinne. Ihr Fokus richtet sich auch auf technische Entwicklung, Demonstration und Validierung. Die dazu erforderliche Infrastruktur ist sehr kostspielig. Grob geschätzt wird ungefähr die Hälfte aller Mittel für den Bereich "Transport" allein für den Luftverkehr und die andere Hälfte für die drei Landverkehrsmodi (Schiene, Straße, Schifffahrt) aufgewendet. Auch anhand der Struktur des Marktes lässt sich diese Konstellation erläutern.

Würden Sie das bitte für unsere Leser näher erläutern?

Lassen Sie mich versuchen, zu erklären, was ich mit dem Vergleich zwischen Luft- und Landverkehr meine. Die Luftfahrtindustrie ist stark konzentriert, und die wichtigsten Wettbewerber befinden sich auf beiden Seiten des Atlantiks. Europa muß als Ganzes seine Anstrengungen bündeln, um gegen die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten zu bestehen. Der europäische Straßenverkehrsmarkt sieht sich demgegenüber einem wesentlich schärferen internen Wettbewerb ausgesetzt. Beide Sektoren müssen ganz und gar unterschiedliche Rahmen-bedingungen bestehen. Logischerweise sollten sich also auch die Forschungs-investitionen voneinander unterscheiden.

Welche Rolle sollten Ihrer Meinung nach die Technologieplattformen in Bezug auf den Verkehr im FP7 spielen?

Das ist nicht nur eine Frage der Rolle, die ich mir für sie wünsche – sondern der Aktivitäten, die sie derzeit bereits verfolgen – und zwar schon seit geraumer Zeit. Die Technologieplattformen haben entscheidend zu der Entwicklung eines einheitlichen, gut gestalteten Programms für FP7 beigetragen. Sie haben sämtlichen Stakeholdern innerhalb bestimmter Branchen ermöglicht, sich zusammenzusetzen, mit einer gemeinsamen Sprache zu sprechen und mit dieser gemeinsamen Sprache die so genannten Strategic Research Agendas (SRA) zu formulieren, strategische Forschungspläne für die nächsten zwei Jahrzehnte. Diese Agenden sind sorgfältig ausgearbeitet und werden regelmäßig überprüft. Im Zuge der Erarbeitung der SRA warfen die Technologie-plattformen nach wie vor unbeantwortete Fragen auf, mit einem Schwerpunkt auf Themen von besonderen gemeinsamen europäischen Interessen. Das Rahmenprogramm bezweckt keineswegs, die Forschung auf nationaler Ebene oder auf Unternehmensebene zu ersetzen.

(...und) die Fortentwicklung der Technologieplattformen und die Kooperation mit ihnen wird die Hebelwirkung des Rahmenprogramms noch verstärken. Der Einsatz öffentlicher Mittel fördert weitere Investitionen aus privaten Quellen – die ohne den Beitrag der öffentlichen Hände nicht erfolgt wären.

Welche Rolle sollten Ihrer Meinung nach Industrie und Wissenschaft in Deutschland im Bereich Verkehr des 7. Rahmenprogramms spielen? Was erwartet die Europäische Kommission diesbezüglich von Deutschland?

Nun – ganz gleich, welche Transportart Sie betrachten – Deutschland besitzt nach meinem Dafürhalten glorreiche Traditionen – und eine ebenso glorreiche Gegenwart. Das Land steht seit jeher an vorderster Front. Forschung und technologische Entwicklung haben in der deutschen Industrie höchste Priorität. Das erweist sich ganz deutlich an dem deutschen Beitrag zu dem Konsultationsprozess und der Koordinierung der Verkehrsforschung – in allen Bereichen. In puncto Straßenverkehr sind deutsche Innovationen im Automobilsektor für jeden unübersehbar. Deutschland spielt eine überaus aktive Rolle – erkennbar auch daran, wie es seine Interessen an der Entwicklung des Rahmenprogramms und seine Überlegungen dazu zum Ausdruck bringt.

Außerdem möchte ich den deutschen Beitrag für die Forschungszusammen-arbeit mit Ländern wie beispielsweise Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn, den Baltischen Staaten usw. herausstreichen.

Wie sichert die Europäische Kommission die verbesserte Teilhabe der neuen Mitgliedsstaaten aus Mittel- und Osteuropa?

Die Antwort darauf gibt nicht allein das Rahmenprogramm. Eine erfolgreiche und sinnvolle Beteiligung der neuen Mitgliedsstaaten sichert nur eine Kombi-nation aus dem "Pull-Effekt" des Rahmenprogramms und dem "Push-Effekt" der Strukturfonds, was eine ungemein verantwortungsbewusste Wirtschaftspolitik voraussetzt. Forschungs- und Innovationspolitik ist eine ihrer Komponenten. Solide Forschung bedeutet mehr als nur Bleistift und Papier. Dafür notwendig sind eine Wissensinfrastruktur und Forschungs-einrichtungen. Das Rahmenprogramm allein kann deren Entwicklung und Aufrechterhaltung – wie gesagt – nicht sichern.

Inwiefern beabsichtigt die Europäische Kommission, die Beteiligung an dem 7. Rahmenprogramm attraktiver zu gestalten?

Zunächst einmal hat die Kommission große Anstrengungen zur Vereinfachung des Antragsverfahrens unternommen. Diesbezüglich verweise ich auf die Möglich-keit der so genannten single registration facility oder der Einzelanmeldung.

Hinzu kommt das Instrument der zweistufigen Anträge – two-step applications. Dabei wird in einer ersten Phase des Evaluierungsprozesses eine Kurzbeschreibung eines Projektantrags eingereicht. Konsortien, deren Konzepte ein hohes Förderwahrscheinlichkeit erkennen lassen, werden anschließend in einer zweiten Phase zur Abgabe eines detaillierteren Antrags eingeladen.

Besonders bemüht haben sich meine Kollegen um eine benutzerfreundlichere Sprache – ich nenne das gern eine "menschenfreundliche" Sprache.

Ist es vorgesehen das zweistufige Antragsverfahren bei zukünftigen Calls für den Verkehrsbereich anzuwenden?

Momentan gibt es keine endgültige Entscheidung darüber, aber wir prüfen die Zweckmäßigkeit um dieses Verfahren in Zukunft möglicherweise einzuführen.

Herr Siegler, gibt es eine (besondere) Botschaft, die Sie an die Verkehrsforschungsgemeinschaft in Deutschland richten möchten?

Wenn ich an die eingangs erwähnten Hauptziele des Arbeitsprogramms denke, muss ich sagen, Deutschland ist hervorragend aufgestellt – mit seiner großen wissenschaftlichen Stärke sowohl im Bereich der Grundlagen- als auch der anwendungsorientierten Forschung – um bedeutsame Beiträge zu einer besseren Umweltverträglichkeit und verstärkten Nachhaltigkeit des europäischen Verkehrssystems und der Gesamtwettbewerbsfähigkeit Europas zu leisten.