Zukunft Carsharing
Ministerium: BMWI
Förderprogramm: Mobilität und Verkehr
Förderschwerpunkt: Mobilität besser verstehen
Fördervolumen: 497.772 €
Laufzeit: 01.01.2003 - 30.06.2005
Projektbetreuung:
Partner:
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Georg Wilke
Döppersberg 19
42103 Wuppertal
Tel.: 0202/249-20
georg.wilke(at)wupperinst.org
Aufgabe und Ziel:
1. Anlass und Hintergrund
Mitte der 90er Jahre bildete Car-Sharing in dem u.a. von Ernst Ulrich von Weizsäcker veröffentlichten Buch „Faktor vier, Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch“ eines der Modelle für umweltschonende Güter und Dienstleistungen mit Vorbildcharakter. Als Beispiel diente die Berliner Stattauto AG: Durch die Nutzung von Gemeinschaftsautos anstelle eigener Automobile wurden dort nicht nur Fahrzeuge eingespart, die Mitglieder fuhren insgesamt auch weniger als mit eigenen Autos, so dass der Energieverbrauch und damit die ökologisch belastenden Emissionen reduziert wurden. Heute gilt Car-Sharing allgemein als umwelt-freundlich, verschiedene Anbieter wurden inzwischen mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ ausgezeichnet.
Allerdings liegen die Kundenzahlen trotz erheblicher Zuwächse in den letzten Jahren noch weit unter den in verschiedenen Untersuchungen ermittelten Potenzialen in Millionenhöhe. Bundesweit teilten sich nach Angaben des Bundesverbandes Car-Sharing Ende 2001 ca. 55.000 Nutzer 2.100 Fahrzeuge.
Anlass für die Studie ist neben dieser Diskrepanz zwischen Kundenzahlen und Potenzialen der sich in jüngster Zeit abzeichnende Wandel des Car-Sharing-Systems. Große Anbieter wie beispielsweise die Deutsche Bahn, die sich mit dem DB Carsharing seit Anfang Dezember 2001 auf dem deutschen Markt als Franchise-Geberin für lokale Unternehmen betätigt, wollen ein modernes, technisch hochwertiges Angebot schaffen und dieses mit einem professionellen Marketing verbinden. Vor allem durch den Einsatz von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sollen Car-Sharing-Fahrzeuge zukünftig fast so flexibel nutzbar sein wie das eigene Auto. Auf der Nachfrageseite wird eine Marktöffnung angestrebt; angesprochen werden sollen möglichst viele Kunden außerhalb der stark ökologisch motivierten „Pionier-Milieus“, in denen das organisierte Car-Sharing „erfunden“ wurde.
2. Problemstellung und Zielsetzung
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Zukunft des Car-Sharing in Deutschland nicht nur im Hinblick auf die Ausbreitungschancen, sondern auch bezüglich der ökologischen Effekte neu. Ausgangshypothese des Vorhabens ist, dass die Betreiber mit ihrer Angebotsstrategie möglicherweise erfolgreich sein werden, die Modifikation des Angebots (als Voraussetzung für die Diffusion) und die Nutzungsmuster der neuen Klientel aber negative Auswirkungen auf die Ökobilanz von Car-Sharing haben könnten. Die (im Saldo, d.h über alle Nutzergruppen) bislang positiven ökologischen Effekte könnten merklich gemindert werden oder sich sogar ins Gegenteil verkehren.
In der Studie wird der Versuch einer empirisch begründeten Abschätzung der mittelfristigen Perspektive (Zeithorizont 2020) von Car-Sharing in Deutschland in verkehrlicher und ökologischer Hinsicht unternommen. Aufgrund der besonderen Klimarelevanz des Verkehrsbereichs konzentriert sich die Untersuchung der ökologischen Effekte auf die Treibhausgasemissionen (Leitindikator CO2). Mit dem Projekt soll ein Beitrag zur Verbesserung der Grundlagen für die zukünftige verkehrs- und umweltpolitische Bewertung von Car-Sharing geleistet werden.
3. Forschungsfragen und Untersuchungsaufbau
Gegenstand der Studie ist neben dem Car-Sharing für Privatkunden das Car-Sharing für Geschäftskunden.
Forschungsleitfragen der Untersuchung sind:
- Welche Zukunft hat die Mobilitätsdienstleistung Car-Sharing auf dem deutschen Verkehrsmarkt? Inwieweit und unter welchen Bedingungen ist eine Diffusion wahrscheinlich?
- Welche Treibhauseffekte sind mittelfristig mit dem Car-Sharing verbunden? Sind diese eher (wie heute) positiv (im Sinne einer Senkung) oder eher negativ?
- Bewegen sich die Treibhauseffekte, bezogen auf die mittelfristige Entwicklung der deutschen Pkw-Flotte und die Gesamtverkehrsleistungen im motorisierten Individualverkehr, in einer signifikanten Größenordnung?
- Wie müsste Car-Sharing gestaltet sein, damit die Nutzerzahlen steigen, das Nutzerverhalten jedoch (im Saldo) ökologisch bleibt? Welche Rahmenbedingungen könnten einen in diese Richtung gehenden Prozess unterstützen?
Das Vorhaben besteht aus vier bzw. fünf Bausteinen.
Baustein 1: Grundlagen
Der Blick in die Zukunft erfordert zunächst eine Bestandsaufnahme der Ausgangssituation: der Anbieterlandschaft von Car-Sharing, der Angebotsformen, der Erwartungen bezüglich der zukünftigen Nachfrageentwicklung und der Unternehmenspläne. Darüber hinaus ist ein Blick in die Vergangenheit notwendig. Zu analysieren ist in einer Längsschnittuntersuchung, ob sich dort möglicherweise bereits Tendenzen qualitativer und quantitativer Art (z.B. Umschichtungen zwischen den Klientelgruppen) erkennen lassen, die Bedeutung für die Zukunft von Car-Sharing besitzen könnten.
Baustein 2: Analysen zum Car-Sharing für Privatkunden
Die hier vertretene Hypothese ist, dass eine Erklärung der bisherigen (geringen) ebenso wie eine Abschätzung der zukünftigen Verbreitung von privatem Car-Sharing bei den Lebenswirklichkeiten der Nachfrager ansetzen muss. Grundlage für die Beschreibung der verschiedenen Lebenswirklichkeiten ist ein sozialwissenschaftliches Milieukonzept, in dem idealtypisch zwei Bedingungskomplexe unterschieden werden, die eine Nutzung von privatem Car-Sharing begünstigen, erschweren oder verhindern können: zum einen die Praxis alltäglicher Lebensführung, mit der Car-Sharing kompatibel sein muss, wenn es überhaupt als Alternative in Frage kommen soll, zum anderen die soziokulturelle Rolle von Car-Sharing in Konkurrenz zu anderen Mobilitätsformen, insbesondere zum eigenen Auto. Zur Einschätzung der mittelfristigen Marktperspektiven von privatem Car-Sharing reicht es nicht aus, nun mit Hilfe dieses Ansatzes bei heutigem und bei zukünftigem Angebot die Milieus mit Car-Sharing-Affinität zu ermitteln und diese dann als Grundlage für eine Quantifizierung zu verwenden. Ein solches Vorgehen wäre statisch, Nachfrage- und Angebotsseite ste-hen zueinander in einem dynamischen Verhältnis. Durch die Modifikation des Angebots verändern sich Praxiskompatibilität und soziokulturelle Funktion des Car-Sharings. Neue Nutzergruppen mit möglicherweise anderen Nutzungsmustern werden erschlossen, für Nutzer aus den alten Nutzergruppen ist Car-Sharing möglicherweise nicht mehr akzeptabel. Zu antizipieren sind also die wahrscheinlichen qualitativen und quantitativen Verschiebungen innerhalb der Nachfrage. Resultierend ist mit einer qualitativen und quantitativen Veränderung der Treibhausgasemissionen zu rechnen. In den geplanten Erhebungen soll versucht werden, diese Dynamik einzufangen. Folgende Forschungsfragen sollen beantwortet werden:
- Welche milieuspezifischen Alltagspraktiken sind mit Car-Sharing kompatibel, welche nicht? Welche soziokulturellen Interpretationsmuster und Funktionen begünstigen oder verhindern Car-Sharing? Welche Beziehungen bestehen zwischen Praxiskompatibilität und soziokultureller Kompatibilität?
- Wie verändern die zu erwartenden Angebotsmodifikationen Praxiskompatibilität und soziokulturelle Kompatibilität von privatem Car-Sharing? Inwieweit und in welchem Umfang werden damit neue Nutzergruppen erschlossen und entfallen bisherige? Inwieweit verändern sich bei alten und neuen Nutzern die Nutzungsmuster?
- Und umgekehrt: Welche Angebotsmodifikationen sind aus Nutzersicht erforderlich, um Praxiskompatibilität und soziokulturelle Kompatibilität (für den Nutzer) zu erhöhen, also die Nachfrage zu steigern? Welche Nutzungsmuster wären damit verbunden und in welchem Umfang könnte die Nachfrage auf diese Weise gesteigert werden?
- Wie müsste Car-Sharing für Privatkunden gestaltet sein, damit die Nutzerzahlen steigen, das Nutzerverhalten jedoch (im Saldo) ökologisch bleibt?
Baustein 3: Analysen zum Car-Sharing für Betriebe
Ausgehend von den unterschiedlichen Interessenslagen der Akteure im Marktsegment Car-Sharing für Betriebe ergeben sich für die Betriebe, die Car-Sharing-Unternehmen und die die Rahmenbedingungen setzende Politik unterschiedliche Leitfragen:
- Betriebe: Wie lässt sich der betriebliche Verkehr ökonomisch effizient abwickeln?
- CSO: Mit welchen Angeboten kann diesem Bedarf sowohl nachfragegerecht als auch ökonomisch effizient entsprochen werden?
- Politik: Wie kann die betriebliche Mobilität sozial und ökologisch verträglich abgewickelt werden und wie können dabei – im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung – die wirtschaftlichen Aktivitäten der Betriebe unterstützt und gefördert werden?
Das Vorhaben geht in diesem Untersuchungsteil der Frage nach, welchen Stellenwert betriebliches Car-Sharing zukünftig vor dem Hintergrund einer technischen und organisatorischen Verbesserung des Systems in Verbindung mit anderen Mobilitätsoptionen für Betriebe haben kann. Ein wesentliches Interesse gilt dabei den besonderen Anforderungen der Betriebe an das System (im Vergleich zu den privaten Haushalten), den Motivationen und Rahmenbedingungen zur betrieblichen Nutzung und den Hemmnissen. In diesem Zusammenhang müssen insbesondere die Konkurrenzprodukte im Hinblick auf die Systemvorteile und Systemnachteile für die Betriebe betrachtet werden.
Baustein 4: Potenzialschätzung, Analyse der Verkehrs- und Klimarelevanz
Im vierten Untersuchungsteil erfolgt auf der Basis der Analyseergebnisse mit Hilfe von Hochrechungen und Szenarien eine integrierte Betrachtung der Beiträge von Car-Sharing für Privatkunden und Car-Sharing für Betriebe zu den Nachfragepotenzialen und den verkehrlichen und klimarelevanten Effekten vor dem Hintergrund der bis 2020 zu erwartenden Verkehrsentwicklung.
- Welche Nachfragepotenziale für Deutschland lassen sich aus den Nachfrageanalysen jeweils ableiten?
- Welche Effekte auf Verkehrsleistung und Fahrzeugflotte des privaten Car-Sharing insgesamt ergeben sich jeweils daraus?
- Welche Treibhausgasemissionen lassen sich daraus ableiten? Welche positiven klimarelevanten Effekte ergäben sich bei Diffusion innovativer Fahrzeug- und Antriebstechniken in der Fahrzeugflotte?
- In welcher Relation stehen diese Effekte zu den Effekten, die aus der zu erwartenden Entwicklung der deutschen Pkw-Flotte und der Verkehrsleistungen resultieren?
Baustein 5 (optional): Betreibermodelle und Marketing
Führen diese Analysen zu dem Ergebnis, dass Car-Sharing in der Zukunft einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz leisten könnte, sind optimierte Betreibermodelle und eine geeignete Werbestrategie zu entwickeln.
- Wie ließe sich ein mit signifikanten positiven ökologischen Effekten verbundenes Car-Sharing betrieblich darstellen? Welche Betreibermodelle wären zu präferieren?
- Wie sollte für ein solches Car-Sharing geworben werden (Rahmenkonzept Marketing)?
5. Bearbeitung
Das Projekt wird am Wuppertal Institut von einem interdisziplinären Projektteam in Kooperation mit externen Partnern bearbeitet. Sollten die optionalen Untersuchungen durchgeführt werden, ist die Vergabe an externe Forschungsstellen vorgesehen.
Projektteam:
Georg Wilke (Gesamtprojektleitung),
Daniel Bongardt (Kordination, wiss. Mitarbeit),
Dr.-Ing. Oscar Reutter (Leitung des Teils Car-Sharing für Betriebe, wiss. Mitarbeit),
Susanne Böhler (wiss. Mitarbeit).
Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Thomas Krämer-Badoni, Universität Bremen (Mobilitätsforschung)
Prof. Dr. Michael Vester, Universität Hannover (Milieuforschung)
NN (Betriebliche Mobilität).
Empirie (Car-Sharing für Privatkunden):
Prof. Dr. Frank Faulbaum, Sozialwissenschaftliches Umfragezentrum (SUZ) an der Universität Duisburg.
Dem Forschungsteam ist ein Beirat aus Vertreterinnen und Vertretern von Forschungs- und Verkehrsministerium, Car-Sharing-Anbietern und verschiedener Verbände zur Seite gestellt. Nach Abschluss des Vorhabens sollen die Ergebnisse auf einem europäischen Fachkongress zur Diskussion gestellt werden.
Ergebnis:
Weitere Informationen zum Projekt "Zukunft Carsharing" können auf der Homepage www.wupperinst.org eingesehen werden.
Namensänderung
Zu Beginn des Jahres 2010 hat eine Namensänderung stattgefunden. Der Projektträger Mobilität und Verkehr, Bauen und Wohnen heißt nun Projektträger Mobilität und Verkehrstechnologien. Die vollständige Adresse lautet:
TÜV Rheinland Consulting GmbH
Zentralbereich Forschungsmanagement
Projektträger Mobilität und Verkehrstechnologien
Am Grauen Stein 33
51105 Köln
Wir bitten Sie dies bei Ihrer Korrespondenz mit unserem Haus zu berücksichtigen.
Vielen Dank.
PAST – Prozesssicherer Automatisierter Straßenbau Präsentation der ersten Ergebnisse eines BMWI Verbundprojektes
Der Mobilitätsbedarf im individuellen sowie öffentlichen Personenverkehr und im Warentransport wächst nahezu ungebremst an. Damit nimmt auch das Risiko von Staus und Kapazitätsengpässen auf den Straßen weiter zu – besonders in dicht besiedelten Gebieten. Dies zehrt nicht nur an Nerv und Gesundheit der Menschen, sondern auch an der Substanz der wertvollen Infrastruktur. Dort treten trotz ständig verbesserter Materialien in immer kürzeren Abständen Probleme bei der Nutzungsdauer der Straßenbeläge durch qualitätsbe-einflussende Schwachstellen, welche Baustellen und unproduktive Wartezeiten verursachen, auf. Inzwischen ist ein Stand erreicht, bei dem weiter steigende Leistungs- und Qualitätsan-forderungen nur noch durch Anwendung wissenschaftlich gesicherter Optimierungs-methoden wirksam erfüllt werden können... weiterlesen
Förderinitiative "Climate-Friendly Freight Network" gestartet
Nationale Programme aus vier europäischen Staaten haben ihr gemeinsames Förderinteresse in der Initiative „Climate Friendly Freight Network“ bekannt gegeben:
- Förderstaaten: Deutschland, Frankreich, Schweden und Österreich
- Zeitachse: Anträge können jederzeit eingereicht werden
- Laufzeit der Projekte (empfohlen): Zwischen 18 und 36 Monaten
- Fördervolumen: Kontaktieren Sie bitte die im Bewerberleitfaden genannten Ansprechpartner
Weiterführende Informationen:
Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität
Die Bundesregierung hat am 19.08.2009 den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität beschlossen. An der Erarbeitung des Planes waren das
BMWi, BMVBS, BMU und BMBF beteiligt. Der Plan legt Maßnahmen fest, mit denen in den nächsten zehn Jahren weitere Fortschritte bei der Batterietechnologie, der Netzintegration sowie bei der Marktvorbereitung und - einführung von Elektrofahrzeugen erreicht werden sollen.
Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität
Elektromobilität – Förderprogramm Antriebskonzepte für Elektro- und Hybridfahrzeuge
Die Bundesregierung hat am 14. Januar 2009 im Rahmen des Konjunkturpakets II die Förderung anwendungsorientierter Forschung im Bereich der Mobilität beschlossen.
Sie stellt dafür im Zeitraum 2009 bis 2011 insgesamt 500 Mio. Euro für zusätzliche Investitionen und FuE-Maßnahmen zur Verfügung.
Im Vordergrund steht dabei das Thema "Elektromobilität".
Weiterführende Informationen:
Webseite des BMWi
Förderbekanntmachung
Neue Mitarbeiter gesucht
Der Projektträger Mobilität und Verkehrstechnologien sucht regelmäßig studentische Aushilfskräfte aus den Bereichen Informatik, Medientechnik, Verkehrswissenschaften, Geographie und Wirtschaftswissenschaften. Mögliche Aufgabenbereiche: EDV-Administration, Web-Design sowie administrative und fachliche Unterstützung der Projektarbeit. Interesse? Bitte richten Sie eine Kurzbewerbung an Sabine Blank.